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31 Oktober 2011

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Im Jahr 1962 verfassten Pfarrer Rumold Eckleben und Direktor Hertha Kral eine Broschüre über unsere Pfarrkirche.

 

Dem Hochwürdigsten Herrn Generalabt

Gebhard Koberger

Propst zu Klosterneuburg

sowie allen Freunden und Gönnern in Dankbarkeit gewidmet.

 

 

Geleitwort.

 

Vorliegende Studie, an deren Entstehung Frau Oberlehrer Herta Kral in dankenswerter Weise beteiligt war, erhebt weder Anspruch auf geschichtliche Vollständigkeit noch auf wissenschaftliche Perfektion. Sie will hinweisen auf ein immer mehr Beachtung findendes Denkmal frühromanischen Bauwillens, das Jahrhunderte hindurch im Dornröschenschlaf der Anonymität ruhte und erst durch die in jüngster Zeit in Angriff genommene Totalrestaurierung ans Licht des Tages kam! Mögen die folgenden Zeilen für den geneigten Leser und Kunstfreund einen Anreiz bilden, das uralte Heiligtum der Nothelferin St. Margareta aufzusuchen, um Harmonie und Geisteskraft dieses Werkes einer glaubensstarken Vergangenheit auf sich einwirken zu lassen.

An dieser Stelle sei allen Kräften gedankt, die hervorragenden Anteil an der Durchführung der Arbeiten und an der Aufbringung der hiezu notwendigen Mittel hatten:

Einzelpersonen, den Gönnern und Freunden Höfleins, Institutionen des öffentlichen und des wirtschaftlichen Lebens, sowie allen beteiligten Firmen, Handwerkern und Künstlern, die ihre schöpferischen Kräfte und ihr Können in den Dienst des Werkes stellten.

Vor allem gebührt Dank dem Hochwürdigsten Patronatsherrn von Kirche und Gemeinde, Sr. Gnaden Generalabt Prälat Gebhard Koberger, Propst des  Augustiner-Chorherrenstiftes zu Klosterneuburg und dem Leiter des Stiftlichen Kirchenbauamtes Baudirekter Dipl.Ing. Fertiko, der tatkräftig und unermüdlich das schwierige Vorhaben leitete und die Bemühungen des Pfarrers mit all seiner Energie unterstützte. Dank gebührt dem Hohen Ministerium für Unterricht und Erziehung, der Hohen Niederösterreichischen Landesregierung und besonders der Babenbergerstadt Klosterneuburg, deren allen kulturellen Belangen aufgeschlossener Bürgermeister Georg Tauchner der Kirche Höfleins wirksamste Förderung angedeihen ließ. Nicht genug gedankt werden kann dem Bundesdenkmalamte, welches, vertreten durch den Träger des Verdienstkreuzes für Kunst und Wissenschaft Oberstaatskonservator Dr. Zykan, an der Restaurierung auf das aktivste mitgewirkt hat. In den Bundeswerkstätten wurden von namhaften Restauratoren eine Reihe von Statuen und Bildern meisterhaft erneuert, wovon der interessierte Besucher des Gotteshauses sich selbst überzeugen mag. Der Kunstexperte des Chorherrenstiftes Chorherr Prof. Petrus Tschinkel hat mit seinem fachlichen Können und seinem unermüdlichen Rat die Arbeiten überwacht und in jeglicher Hinsicht gefördert.

Besonderer Dank gebührt auch dem Wiener Innenarchitekten Franz Marischka, der dem Gotteshause als Votivgabe eine stilechte Session und Altarkredenz aus der Zeit Kaiser Karl VI. darbrachte. An gestaltenden Kräften sei noch folgenden gedankt: Kirchenmaler und Marmorierermeister Halik aus Perchtoldsdorf, dem Wiener Vergoldermcister und Kirchenstaffierer Rudolf Eisler, der den Hochaltar, die Plastiken und das Turmkreuz mit künstlerischem Einfühlungsvermögen restauriert hat, dem Vergoldermeister Raimund Buhr, der den beiden herrlichen Rokoko-Rahmen aufs neue Glanz und Schönheit verlieh, dem Luster- und Glasfabrikanten Lobmeyr, dessen stilvolle Beleuchtungskörper dem Gotteshause zur Zierde gereichen, dem Baumeister Lachsteiner-Aspermayer, deren best geschulte Fachkräfte unter dem kundigen Polier Kroll die besonders schwierigen und heiklen Freilegungsarbeiten an Fassaden und Turm durchführten, dem Klosterneuburger preisgekrönten Künstler und Graphiker Karl Seelos, der mit unerhörter Meisterschaft die berühmten Bilder aus dem Stephansdom „Maria Pötsch" und "Herz Jesu" nachschuf und dem heimischen Holzbildhauer und „Herrgotts-Schnitzer" Franz Sühs, der als Schöpfer des handgeschnitzten Kreuzweges, einer Pinzgauer Weihnachtskrippe sowie der Barockleuchter auf dem Marienaltare zur Verschönerung der Kirche beitrug.

Herzlichst bedankt sei Frau Oberlehrer Herta Kral, die mir bei Abfassung und Redaktion der Schrift wertvollste Dienste geleistet hat sowie dem kulturpflegerisch bemühten Vcrschönerungs-Verein von Klosterneuburg, dessen verdienstvoller Obmann Amts­rat i. R. Ernst Mayer die Herausgabe dieser Studie, gemeinsam mit den „Klosterneuburger Nachrichten" auf das tatkräftigste förderte.

Und nicht zuletzt ein herzliches „Vergelts-Gott" allen Freunden und Wohltätern der Kirche aus Höflein selbst, aus Klosterneuburg und aus Wien, die ja erst durch ihre namhafte finanzielle Mithilfe die klaglose Durchführung der Gesamtrestaurierung ermöglichten. Das Bewusstsein, ein wertvolles Kultur­denkmal aus grauer Frühzeit der Gegenwart als Wahrzeichen unserer Heimat erhalten zu haben, möge ihnen Lohn und Quelle des Segens sein.

 

Höflein a. d. Donau, im Mai 1962.

Dozent Rumold A. Eckleben, can. reg.

Pfarrer.

 

Dort wo die allerletzten Ausläufer der österreichischen Alpenkette in sanfter Neigung gleichsam als hieße es Abschied nehmen von der Wunderwelt der Berge dem Silberband der Donau auf huldigende Weise zustreben, liegt, eingebettet in dem knieartigen Bogen des Stromes, das auf schmalem Räume zusammengedrängte kleine Dorf Höflein a. d. Donau.

Vor 1938 war es eine selbständige Gemeinde, fiel dann nach der Okkupation Österreichs an den Reichsgau Wien und bildet heute den letzten Winkel der im Jahre 1955 entstandenen Großgemeinde Klosterneuburg. Wer kennt schon dieses Dorf?

Wohl ist jedem Wiener das dem Ortet Höflein im Osten vorgelagerte einstige Nobelbad Kritzendorf vertraut, vom Volksmund in leiser Ironie „Kritz les bains" genannt. Ebenso bekannt ist allen Wienern der westwärts gelegene Ort Greifenstein, der überragt wird vom trotzigen Bergfried aus wehrhafter Zeit, welcher immer noch von steilem Fels hochauf in den Himmel schaut. Was aber liegt dazwischen, nach Westen, Norden und Osten den immerwehenden Win­den ausgesetzt?

Eine uralte Siedlung, geschmiegt an dunkle Wald- und Rebenhänge, bedrohlich manchmal begrenzt von hochgehenden Fluten des Donaustroms, die Jahrhunderte hindurch bis zur endgültigen Stromregulierung an der schmalen, gewundenen Landstraße vorbeiwogten.

Doch der Wind, der in  Höflein einmal piano und einmal forte von drei Seiten weht, ließ in der Vergangenheit den Lebenswillen und die Liebe zur heimatlichen Scholle in den Herzen der fleißigen Inwohner niemals erlahmen.

Vor rund einhundert Jahren, nach Abschluss der Donauregulierung, erwuchs aus den Geröll- und Schuttmassen der großen Steinbrüche, die zum gebändigten Flusse hin abgelagert wurden, das feste und hoch wassersichere Fundament für einen neuen Ortsteil, die sogenannte „Planierung", welche nach dem ersten Weltkriege das Ziel vieler baufreudiger Wiener wurde. Schmucke kleine Siedlungshäuser grüßen heute aus gepflegten Gärten hinüber zum alten Dorf und blicken auf zum ehrwürdigen Gotteshaus der heiligen Margareta, das bis zum Jahre 1950 in unscheinbarem, schmucklosem, ja von Wind und Wetter gerissenem und vernachlässigtem Gewande auf vorspringender Anhöhe stand. Der dunkle Finger des Turms ragte schweigend zum Himmel empor, als wollte er Klage darüber führen, dass die Menschen das Haus des Herrn vergessen hätten.

 

Bei St. Margareta in Höflein

Wer vordem an Höflein vorüber fuhr oder jenseits des Bahndammes über die Straßen der Planierung wanderte, der mochte mit Befremden und wohl auch Geringschätzung auf das hässliche, verkommen wirkende Bauwerk geblickt haben. Wie sollte es da erst in seinen Inneren aussehen? Kaum einer der fremden Besucher dachte daran, das Gotteshaus zu betreten. Und doch lohnt es sich, zumindest seit dem Herbste 1957, die Reise ein wenig zu unterbrechen und den malerischen Stufenweg hinanzusteigen, der in der Nähe des Stationsgebäudes von der Hauptstraße zur Kirchenanhöhe führt. Durch einen altertümlichen Mauerengpaß, den zwei wuchtige Schwibbögen überwölben, gelangt der Besucher zum südseitig gelegenen Haupttor der Kirche.

Wer seine Schwelle übertreten hat, dessen Skepsis weicht dem Staunen und der hellen Freude über all die Schönheit, die sich ihm plötzlich, ganz unvermittelt offenbart.

 

Der Hochaltar

In beglückender Weise fühlt der Beschauer sich dem Irdischen entrückt, sein Blick ruht wie gebannt auf dem herrlichen Barockjuwel des Hochaltares, der mit großer Wahrscheinlichkeit von den Experten als Meisterwerk des Ingenieur-Architekten Matthias Steinl angesehen wird. Dieser bedeutende Künstler hat zu fast gleicher Zeit den grandiosen Hauptaltar der Klosterneuburger Stiftsbasilika geschaffen und sich mit diesen beiden Werken der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts ein bleibendes Denkmal gesetzt.

Vor wenigen Jahren noch sah der Höfleiner Hochaltar genau so verwahrlost und umdunkelt aus, wie es beim äußeren Gewande des alten Gotteshauses der Fall war. Doch der Wind, der hier seit jeher von drei Seiten weht, trieb frische Luft in den alten, muffigen Raum und weckte ihn aus jahrhundertelangem Dornröschenschlaf.

Der Patron des Heiligtumes, seit dem Jahre 1248 das vom hl. Leopold gegründete Augustiner-Chorherrenstift, des weiteren das Bundesdenkmalamt und der dem Stifte zugehörige Pfarrherr des Ortes haben in rührigem und einträchtigem Zusammenwirken dafür Sorge getragen, dass aus dem Aschenbrödel wiederum ein strahlendes Juwel der Kirchenbaukunst wurde, das durch seine leuchtenden Farben, seine figurale Ausschmückung und seine geniale Konzeption den Beschauer begeistert. Und dies mit gutem Recht. Die bildnishafte und somit dem Auge besonders einprägsame Mitte des Hauptaltares ist durch die überaus gelungene Darstellung der „Hausfrau" dieses alten Gotteshauses, der wundertätigen Nothelferin und Kirchenpatronin Sankt Margareta von Antiochien, gegeben.

Niemand geringerer als der berühmte Maler des späten Barocks Kremser-Schmidt hat das Altarblatt geschaffen, welches ursprünglich für die Pfarrkirche in Fels am Wagram bestimmt war. Vor ungefähr 150 Jahren wurde dann, unbekannt aus welchen Gründen, von einem anonym gebliebenen Künstler eine meisterhafte Kopie dazu gemalt. Und diese schmückte bald darauf, ebenso unerklärlich, was dazu bewogen haben mochte, die Stirnwand hinter dem Hochaltar des Gotteshauses in Fels, indes das Original, eingerollt auf dem Dachboden der gleichen Kirche liegend, in Vergessenheit geriet und zu verstauben begann.

Als bei der im Jahre 1957 aufgenommenen Innenrestaurierung der Höfleiner Kirche das von dilettantischer Hand angefertigte Margareta-Bildnis wegen seiner hässlichen Monstrosität entfernt werden musste, ergab sich die Notwendigkeit, die Lücke durch Wertvolleres au füllen. Zwei Herren aus dem Chorherrenstifte Klosterneuburg, Chorherr Professor Petrus Tschinkel und der Leiter des Kirchenbauamtesi Dipl.Ing. F e r t i k o, fanden, durch selt­same Fügung nach Fels am Wagram gewiesen, in der dortigen Pfarrkirche das gesuchte Objekt, denn auch dieses Gotteshaus ist seit Jahrhunderten der Märtyrerpatronin Margareta geweiht.

Nachdem auf Grund eines Übereinkommens das sorgfältig restaurierte Original des Kremser-Schmidt der Pfarrkirche zu Fels verblieb, bekam Höfleins Gotteshaus die würdige, in nichts vom Original zu unterscheidende Kopie zum Geschenk. Doch ging dieser Tausch nicht ganz ohne Widerspruch von Seiten der Felser Bevölkerung vonstatten, die mit dem rührend-frommen Argumente: „In dös alte Büld hamma sovül eini-bet't" ihre Anhänglichkeit an das durch Jahrzehnte hindurch verehrte Abbild bekundete.

Bemerkenswert an diesem Bildertausch ist folgendes: So als hätte Höfleins Kirche nur auf das neue Margaretabildnis gewartet, fügte sich dieses mit seinen Ausmaßen ganz genau in den schon vorhandenen Barockrahmen ein. Nachdem das Werk des unbekannten Malers durch die Restauratoren des Bundesdenkmalamtes mit künstlerischer Nachempfindung zu neuem Glanz und Leben erweckt worden war, wirkt es nun durch seine milden, leuchtenden Farben auf den Beschauer ein, der sich nicht dem Zauber dieser vollendeten Darstellung entziehen kann. Mit ihren Füßen die Mächte der Finsternis besiegend, schaut und steigt St. Margareta auf zur Region der allerheiligsten Dreifaltigkeit, die den Altaraufbau nach obenhin krönt.

Von den Gestalten und Köpfen singender und jubilierender Barockengel umgeben, dokumentiert das Bildnis die sieghafte Kraft, die dem Glauben innewohnt Zu beiden Seiten der heiligen Patronin halten sechs Fürsten des Gottesreiches ehrfürchtig stille Wache vor dem Tabernakel.

Die Auswahl dieser lebensvoll geformten Holzplastiken ist nicht dem Zufall zu verdanken, sondern sie stellt Heilige vor, die in das Geschick Österreichs und Klosterneuburgs aufs innigste verwoben sind.

Die   beiden   äußersten   Standbilder,   die  in   der linken und rechten Pfeilernische des Altares stehen, zeigen den Stifter des Augustiner-Chorherrenkloster St. Leopold III., der als profilierte Persönlichkeit auch in die bewegte Profangeschichte seiner Zeit eingegangen ist. Er gründete nicht allein Klosterneuburg, auch das Wienerwaldstift Heiligenkreuz am Sattelbache ist ein gewaltiges Denkmal seiner großen Glaubenskraft. Dieser Babenbergerfürst war Schwiegersohn Kaiser Heinrich IV, dessen Tochter Agnes ihm viele Kinder gebar, von denen Otto von Freising zu besonderer Berühmtheit gelangte.

Wer dächte nicht, wenn die Phantasie in jene Zeit zurückschweift, an den schweren Gang nach Canossa, an die Unerbittlichkeit des Kampfes zwischen weltlicher und kirchlicher Macht. St. Leopold anerkannte in seinem persönlichen Leben und in seinem staatsmännischen Wirken stets den Primat Gottes und der Kirche. Gerade dadurch wurde er zu einem unvergessenen Wohltäter seines Landes und seines Volkes.

Ihm gegenüber steht St. Florian, jener helden­mütige Römeroffizier, der viele Jahrhunderte zuvor bei Lauriacum, nahe dem heutigen Enns, das blutige Martyrium erlitten hatte. Eine spätere Zeit erhob ihn zum Patron der Wasser- und Feuerwehren. So spannt sich in diesen beiden Gestalten der Bogen des Glaubens vom Altertum zum Mittelalter.

Auf dem Altare selbst, zwischen den tragenden, marmorierten Säulen, thronen als Hüter des Heiligtumes Ambrosius von Mailand, der wortgewaltige Bischof und Lehrmeister des jungen Augustinus, und St Koloman, der noch vor dem heiligen Leopold als Patron der östlichen Babenbergermark verehrt worden war. Auf einer Pilgerreise zu den heiligen Stätten des gelobten Landes ereilte ihn bei Stockerau der Tod. Von misstrauischen Bauern wurde er als vermeintlicher Spion gefangen genommen und gehenkt.

Rechts vom Tabernakel steht der heilige Josef, der Nährvater Christi. Ferdinand II., der Kaiser der Gegenreformation, hatte ihn zum Patron aller österreichischen Erblande erhoben, und ein nach­folgender Monarch erhielt nach ihm den im Hause Habeburg bis dahin noch niemals gebrauchten Namen Josef.

Dem heiligen Josef schließt sich an St. Augustinus, der große abendländische Kirchenlehrer und Begründer des ältesten Ordens der Welt. Seinen geistlichen Söhnen, den Augustiner-Chorherren, ist seit 8 Jahrhunderten das Kloster zu „Nivenburg", das heutige Stift Klosterneuburg, anvertraut.

 

Kleiner Rundgang

 

Bevor der Beschauer sich vom Altare wendet, fällt sein Blick noch auf Zeugnisse hoher handwerk­licher Kunst; links die Session und rechts vom Altare der Kredenztisch. Beide sind Arbeiten, die nach den Originalen aus der Zeit Kaiser Karl VI., zu Schlosshof im Marchfelde in vollendeter Handfertigung durch die Stilmöbelwerkstätten des Wiener Innenarchitekten Franz Marischka hergestellt und von diesem dem Gotteshause in Höflein als Votivgabe geschenkt wurden. An der Session ist jedes Detail in sorgfältiger Nachbildung der Entstehungszeit ab­gelauscht worden, sogar die kupfernen Beschlagnägel der Sitze wurden eigens mit der Hand geschmiedet.

Obwohl der auffrischende Donauwind, der von drei Seiten weht, das alte, zerfurchte Gemäuer durchstreicht, dringt durch das ovale Fenster, ober­halb des Hauptaltares, das himmlische, wärmende Sonnenlicht im goldgleißenden Bündeln, gleichsam als trüge es die Grüße des Ewigen Vaters zu seinem Mensch gewordenen Sohne im barocken Herz-Jesu-Bilde, und es entzündet sich in grandioser Schönheit an den tiefsatten Farben der Darstellung und am goldenen Schnitzwerk seiner reichen Rokokoumrahmung.

In diesem1 Lichte erwärmt sich auch das tröstliche Bildnis der Gnadenmutter von Maria Pötsch, das ein heimischer, junger begabter Künstler, Karl Seelos, zusammen mit dem Herz-Jesu-Bilde den Originalen im St. Stephansdom feinfühlig nachgeschaffen hat. Beide Gemälde sollen die innere Verbundenheit der kleinen diözanen Grenzpfarre (der nächste Ort Greifenstein gehört nämlich schon zur Diözese St. Polten sowie zur Bezirkshauptmannschaft Tulln) mit der gewaltigen Mutterkirche des Erz­bistums versinnbilden.

Im Mittelfeld der rechten Wandseite thront auf einem Sockel von St. Margaretner Sandstein eine Statue des Guten Hirten. Vor ihrer Restaurierung war sie eine unscheinbare, weiß-grau gestrichene Plastik unter vielen. Das Bundesdenkmalamt unterzog dankenswerterweise, angeregt durch die ergreifende Ausdrucksform, das Werk einer gründlichen Überprüfung, bei der die ursprünglichen satten Farben des Hochbarocks zum Vorschein kamen. Nach Arbeitstechnik und Formschönheit zu schliessen, präsentiert es ein Meisterwerk des berühmten Barock-bildhauers Giuliani, der seine vielseitigen Schöp­fungen und seinen Lebensabend im Stifte Hciligenkreuz zu besinnlichem Abschluß brachte.

Wenn an trüben Tagen das wärmende Sonnenlicht fehlt, bringen sechs herrliche Kristall-Luster von Lobmayr die erlesenen Kunstschätze zum erstrahlen. Gewiß entdeckt der Besucher in dieser Lichterfülle  auch das kleine, frühbarocke Marienbildnis   (um   1600)   in  achteckigem,  altertümlichem Rahmen,   die    sogenannte  „Türkenmadonna"   oder „Mariahilf-Muttergottes",   eine  Darstellung  von   ergreifendem Liebreiz.

Beim Verlassen des Gotteshauses grüßt noch das Barockkreuz aus dem Jahre 1710, als wollte es jedem seinen tröstlichen Segen in den Alltag mitgeben. In abendlicher Stunde schimmert durch die Fenster der Kirche das milde, rote Leuchten der Ewig-Licht-Ampel, die bei Tag und Nacht den Tabernakel behütet.

Diese silbergetriebene Lampe ist ein wertvolles Zeugnis barocken Kunsthandwerks, geschaffen von demütiger, unbekannter Meisterhand. Bei Tage vermag sie kaum gegen das natürliche Licht in Erscheinung zu treten, zur Nachtzeit aber gibt sie dem Wanderer das sichere Gefühl heimatlicher Ge­borgenheit, wenn auch die rauhen, kalten Winde ihn an die Härte des Lebenskampfes gemahnen.

 

Entschleierte Vergangenheit

 

Mehr denn 80 Jahre lang trug das Gotteshaus ein kaltes, graues Mörtelkleid um die Schultern ge­breitet, und niemand, weder das Volk im Orte noch fremde Besucher hätten vermutet, dass unter dem jammervollen Bettelmantel eine glanz- und ereignisreiche Vergangenheit verborgen sein könnte. Wohl ahnte man dunkel, dass es sich in Höflein um eine überaus alte Gottessiedlung handeln müsse, denn mehrfach berichten mittelalterliche Urkunden von ihr, die in den stiftlichen Archiven als kostbare Vermächtnisse aus längst vergangenen Tagen gehütet werden, in ihnen wird ein Alter von mehr als achthundert Jahren bezeugt. Zu Zeit des hl. Markgrafen Leopold war Hoflein gewiss schon eine blühende Pfarr- und Siedlungsgemeinschaft.

Als im Herbste 1960 auf Drängen des Pfarrherrn zu einer schon lange fällig gewesenem Außenrestaurierung geschritten wurde, wagte kaum einer daran zu denken, dass damit ein wertvolles Kleinod der Kirchenbaukunst ans Licht der Gegenwart strebe.

Zuerst war nur ein einfacher Neuverputz der trostlos ausgebenden Fassaden geplant. Das Gotteshaus sollte wenigstens den netten, kleinen Siedlungshäusern des alten und neuen Ortes wieder würdig vorstehen können, während es bisher wie ein Symbol religiösen Verfalles wirkte.

So wurden denn von fleißigen, Händen schlanke Gerüste aufgestellt. Der hohe „Eisenhut" über und über von Wunden, die Wind und Wetter geschlagen, übersät, verschwand unter dem Netzwerk aus Brettern, Leitern und Stangen. Bald verwehte der wildernde Herbstwind, der die sterbenden Blätter in wirbelndem Tanze davontrug, die Mörtelteilchen und Mauerbröcklein, welche von emsigen Händen in schwerer Geduld erheischender Kleinarbeit mit Meißel und Hammer abgeschlagen wurden, in alle Weiten. Je tiefer der graue zerrissene Mantel von den ehrwürdigen Schultern des Heiligtumes herabglitt, desto mehr blickten die Augen der Handwerker und erwartungsvollen Beschauer auf das sich dar­bietende Wunder.

Als ob plötzlich der Schleier des Vergessens vor den Jahrhunderten fiele, offenbarte sich die Kirche der hl. Margareta nun als Denkmal einer frühromanischen Bauperiode.

Ebenso offenkundig ward, wie und wo die Kultstätte im Laufe des 17. Jahrhunderts in der Ostachse auf das Doppelte ihres ursprünglichen Ausmaßes erweitert wurde. Damals erhielt das Gotteshaus seinen noch heute stehenden Turm. Die alten romanischen Flachdecken wurden entfernt und durch barocke Gewölbe ersetzt, wie überhaupt der gesamte Innenraum im sieghaften, lebensbejahenden Barock um- und neugestaltet wurde.

Der älteste Teil jedoch, den die Experten der Denkmalpflege und Baugeschichte auf gute neun­hundert Jahre schätzen, ist aus den schönsten Steinquadern gefügt, die aus den heimischen, zahlreichen Steinbrüchen Höfleins stammen. Dieser feste und wetterbeständige Stein erfreute sich großer Beliebtheit bei Bauherren und Steinmetzen, ist ja sogar der alte Stephansdom in der Wienerstadt aus dem glei­chen Steine gewachsen.

Die Freilegung des Mauerwerkes an den Fassaden übertraf alle Erwartungen, über den jetzt bestehen­den kleinen Rundfenstern des älteren Teiles konnten die ursprünglichen frühromanischen Rundbögen freigelegt werden. Aus ihrer Höhenanordnung erkennt man, dass dieses Gotteshaus früher noch höher gewesen sein müsste und erst in der Zeit des Barocks eine durch die Umgestaltung bedingte „Erniedrigung" erfahren hatte. Ein drittes Rundfenster, von dem keine Chronik zu berichten wusste, wurde zur Gänze erhalten, in seiner schlichten Schönheit völlig freigelegt. Ja, es fanden sich sogar noch Spuren der ehemals roten Bemalung auf jenen steinernen Leisten, die in ungefähr 15 cm Entfernung von der Leibung angebracht waren und die dem damals so farbfreu­digem Zeitcharakter entsprachen.

Etwas tiefer gelegen, dem Osten zu und, knapp vor Ende des alten Bauteiles kam ein hohes, jedoch sehr schmales, schießschartenartiges gotisches Fenster zum Vorschein, ein weiteres Zeichen dafür, dass es sich hier um eine Wehrkirche gehandelt haben muß.

Die dem Norden zugekehrte Fassade, mit dem Blick über die steil abfallende Balustrade zum Strom, weist die gleiche Struktur auf wie die südliche Flanke, vermehrt jedoch um die asymmetrisch ange­brachte kleine gotische Pforte. Sie führte einstmals zum Gottesacker hinaus, der sich bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts um das Kirchlein schmiegte. Den östlichen Abschluss bildet heute die zu Beginn des 18. Jahrhunderts angebaute kleine Sakristei, gleichfalls aus schweren, wuchtigen Steinen gefügt.

 

Aus der Geschichte Höfleins

Der Wind, der hier oben immer von drei Seiten weht, kann nicht lesen. Wohl aber vermag dies das Auge des Beschauers zu tun, Ist doch die Kirche - saxa loquuntur - ein steingewordenes Lesebuch aus längst vergangenen Tagen.

Vor diesem ehrwürdigen Zeugen der Vergangenheit vergisst der flüchtige Besucher ganz die Gegenwart. Er schweift auf den Flügeln der Phantasie mit seinen Gedanken weit zurück in jene Zeit, da noch der Donaustrom dräuend in der ungebändigten Freiheit seiner das Land umklammernden Arme dahineilte und mit seinen bald braunen, bald silber­grauen Wellen das dunkle Hügel- und Waldgebiet umfasst hielt. Wie mag es da, auf diesem heute so freundlichen Flecken Erde ausgesehen haben?

Auf beherrschender Anhöhe, umfriedet vom alleinschützenden Bergrücken, hatte ein nachottonischer Ministeriale seinen wehrhaften Wohnsitz aufgeschlagen. Sein Lehensherr - vermutlich der Bischof von Passau - hatte ihm den ehrenvollen Auftrag gegeben, an dieser exponierten Stelle ein kleines befestigtes Bollwerk, eine sogenannte curiola - einen kleinen Hof, „Höflein“ eben - zu errichten, zu Schutz und Sicherung der ständig bedrohten Grenze den Magyaren gegenüber, die jenseits der Donau das ganze Land durch Brand und Plünderung in Angst und Schrecken versetzten.

Wie einsam, tausendfacher Angst und Gefahr ausgesetzt, mag dieser Mann, der große Verantwortung übernommen hatte, gewesen sein? Mitunter ratlos wird er hilfeheischend seinen Blick zum Himmel erhoben haben, der seinen besternten Bogen über die Fluren spannte, Freund und Feind gleichsam unter ein Dach bringend. Dieser Ministeriale, man nimmt an, ein Angehöriger des Geschlechtes der Grafen von Burghausen, war sicher kein unbedeutender Mann, durfte er doch seine „Hofhaltung" mit einer Privatkapelle versehen. Wie oft wird er auf scheinbar verlorenem Posten in ihr Tröstung erfahren, Kraft und Mut zum Ausharren gefunden haben. Wie oft wird sein sorgenvoller Blick die jenseitigen Uferstrecken abgesucht haben, wo des Nachts die schwelende Röte der feindlichen Lagerfeuer auf­leuchtete, die gefahrvolle Nähe der ungezügelten Scharen aus dem Osten gespenstisch bekundend.

Die kleine Befestigung wird wie ein Magnet die im Umkreis verstreut lebenden Siedler angezogen haben, denn im schirmenden Schatten der wehrhaften Mauern und der ebenso wehrhaften Fäuste der Besatzung konnten sie nun in Ruhe und Frieden ihrer Tagesarbeit nachgehen, konnten als Fischer und Schiffer, als Steinbrecher und Händler und später als Bauern und Hauer den jahrhunderte­langen Dornröschenschlaf des Donaulandes durchbrechen.

So entstand denn um den befestigten Hügel herum im Laufe der Jahre ein bedeutsamer Ort, den bereits eine Urkunde aus dem frühen 12. Jahrhundert erwähnt, wonach die ursprüngliche Privatkapelle schon mit Pfarr-Rechten ausgestattet war und den Namen der heiligen Nothelferin Margareta führte.

Da kamen bei Tage die schweren Salzkähne behäbig stromabwärts geschwommen. Viele der Schiffsleute, die ihr Boot wohlbehalten durch die gefähr­lichen Strudel, Engpässe und Untiefen des wechselvollen Flußlaufes gebracht hatten, hielten erstmals wieder aufatmend an Höfleins wirtlichem Ufer an, um einen dankbaren Blick hinaufzusenden zur Patronin der wilden Gewässer oder gar selbst den steilen Pfad zu ihrem Altare emporzusteigen, um dort eine Votivgabe als Zeichen des Dankes niederzulegen. Auch die einheimischen Bauern und Hauer sahen in der hl. Margareta ihre besondere Schutzfrau, der sie als machtvolle Fürbitterin vor dem Throne Gottes Aussaat und Ernte gläubig anheimstellten.

In der Kette der Jahre verliert sich dann das Schicksal der Bewohner in geheimnisdunkle Ungewißheit. Erst eine Urkunde aus dem Jahre 1248 ruft den Ort wieder in das Gedächtnis zurück. In ihr wird die Übernahme des Ortes und der Kirche in die Patronanz des Chorherrenstiftes Klosterneuburg bezeugt, welches diesen Besitz um 115 Wiener Silberpfennige von den Grafen zu Hardegg erwarb. Das weitere Geschick des Ortes verfließt in den darauf folgenden Jahrhunderten mit der Profangeschichte Klosterneuburgs und des Landes unter der Enns.

 

Zum Beschluss

Die alten Steinquadern der romanischen Wehrkirche aber, die Gedanken und Phantasie in die Vergangenheit abschweifen ließen, stehen nun in ergreifender Bildhaftigkeit vor dem wachen Auge. Sie werden noch für viele Generationen sichtbar-beredtes Zeugnis einer reichen und ehrwürdigen Geschichte sein. Denn die Kirche wurde nicht mehr unter Verputz gelegt, sondern, nach sachkundigen Anweisungen des Bundesdenkmalamtes und der verantwortlichen Experten des Stiftes Klosterneuburg, im ältesten romanischen Bauteile ausgefugt, im barocken Anbau hingegen „verworfen", das heißt, nur dort unter Verputz gegeben, wo häßliche Ziegeleinschübe dies erforderlich machten.

Ein jäher Windstoß von Norden her, der grelle Pfiff eines schnaubenden Güterzuges, das dumpfe Aufheulen der Dampfschiffsirene eines gegen die Strömung ankämpfenden Donauschleppers reißen den Beschauer aus seiner Wanderung durch die Zeiten gebieterisch in die Gegenwart zurück. Er, der eben noch in den schicksalsträchtigen Räumen der Vergangenheit weilte, darf nun den Anschluß an den raschlebigen, flüchtigen Tag nicht versäumen.

Unverändert und sich selber gleich bleibt nur der Wind, der von drei Seiten weht und dem Vergangenes und Künftiges gleichviel bedeuten - oder nichts……

 

 

Mit Genehmigung des Ordensoberen:

„Imprimi potest" vom 4. Mai  1962 Propst Gebhard Koberger, Stift Klosterneuburg

Mit Druckerlaubnis des Erzbischöflichen Ordinariates Wien vom 10. Mai 1962, Zahl 3194/62.

 

 

 

 

 


 

Stand: 09.01.10